Julia Keppeler
Horny and Depressed
15.11. - 11.01.2015 

Der Geist in der Kombüse – horny and depressed

So bezeichnete meine Freundin Katrin Hahner jenen virtuellen Homunculus den ich 2011 ins Leben rief um fortan in tagebuchähnlichen Intervallen Zeichnungen zu veröffentlichen. Ein Avatar auf facebook schien mir die rechte Form für die Fortsetzung einer 2007 begonnenen Serie namens “I refuse growing up”, die sequenziell bei der Gruppenausstellung “In between -die Kunst erwachsen zu werden” im Kunstverein Wiesbaden ausgestellt wurde.

Es geht um pupertäre Energie, irgendwo zwischen Selbstglorifizierung und Selbstzerstörung pendelnd, narzistische Störungen, Psychosen, der vehementen Weigerung, sich der Erwachsenenwelt zugehörig zu fühlen und der gleichzeitigen Suche nach Geborgenheit in einer Gruppe. In der künstlerischen Auseinandersetzung mit meinem eigenen pupertären Ich fühle ich mich von Punk und Grunge verstanden, Bands wie Sonic Youth beschäftigen sich mit Adoleszenz und deren Begleiterscheinungen . Künstler wie Mike Kelley, Gerhard Richter oder Raymond Pettibon gestalteten deren Platten-cover und bahnten uns Anfang der 90er einen Weg in die ansonsten eher dröge empfundenen Kunstwelt.

Die riot girls -Bewegung und Frauen wie Kim Deal oder Kim Gordon ermutigten mich, experimentelle Musik zu machen, Künstlerinnen wie Tracy Emin etablierten sich mit radikal autobiografischen Bezügen. Die Ikone des Grunge, Kurt Cobain, prägte Begriffe wie “Teenage Angst”  und sang “I hate myself I wanna die”. Er stellt sozusagen den Rock `n Roll – suicide -Archetyp meiner Jugend dar und der berühmte club of 27 von Jim Morrison bis Amy Winehouse repräsentiert die morbide Energie, die zu dem Titel meiner Arbeiten führte.

“Horny and depressed” ist ein Slogan für Narzissmus,  der Begriff horny suggeriert sexuelles Verlangen, das sich in diesem Fall nur auf die eigene  Person, bzw. die Wirkung auf andere bezieht und depressed , also niedergeschlagen, weil in sich gefangen, isoliert.
In den Arbeiten gibt es oft Bezugspunkte zum Thema Narzissmus, einige Zeichnungen sind autoerotischer Natur, manche haben Titel wie “making babies with myself”. Der facebook – Blog endete im Juli 2014, die Ausstellung setzt den Schlusspunkt dieser Arbeit.